Der lange Wege bis zum Abholzen.
Früh morgens um 0600 ging ein Ruck durch das ganze Gefährt und die Schweizerischen Bundesbahnen machten sich mit Paddy und mir auf den Weg Richtung Agde an der Südküste von Frankreich.
Kurz vor diesem Zeitpunkt schossen noch ganz andere Sachen durch mich: Als erstes bemerkte ich, dass ich doch nicht mehr so ganz 20 bin und es sich nicht lohnt einen Rücksack von fast 30 Kg mit einer falschen Bewegung in die Höhe zu heben und so bemerkte ich einen kleinen Schmerz in meinen Rücken. Dies verging mir jedoch relativ schnell, als ich einen Augenblick später einen Anruf von Achi erhielt, welcher mir mitteilte, dass unser vierter Mann sich für den 0526 Zug ab Zug verspätete und somit beide sicherlich nicht zur selben Zeit wie wir in Agde (sollte genau so ausgesprochen werden wie gelesen [gell Pascale und Chris]) ankommen.
Nur gut, dass dieser Anruf ein Witzanruf war….
Bald erreichten wir Genf wo wir zum ersten Mal unseren Zug wechseln mussten und alle vier zum ersten Mal zusammentrafen. Ein kurzer Sprint durch den Zoll (die einen sogar mit Zigarette [Anmerkung der Redaktion: Ich war es nicht!!!] und auf den nächsten Zug Richtung Lyon aufgesprungen. Und wieder musste der schwere Rucksack in das Gepäckfach gehievt werden – dieses Mal allerdings ohne Rückenschmerzen, dafür mit einem langsamen „Baum fällt“, weil ich das Gepäckfach einfach verfehlte und mit dem ganzen Gepäck Richtung Fenster fiel und dabei noch zwei Büchsen Bier verlor.
Nach dieser abenteuerlichen Fahrt und einem kurzen Trip mit dem Taxi erreichten doch noch unseren Starthafen in Port Cassafières. Sofort schrieben wir uns ein und siehe da, es wurde sogar türkisch gesprochen und so waren die Erklärungen für unseren Neuling auch um einiges einfacher. Die anderen drei eingefleischten Kanalratten mussten den Erklärungen natürlich nicht mehr folgen, sondern konnten einem feinen Bier frönen.
Nach einem weiteren kühlen Nass und dem Verräumen unserer Utensilien machten wir uns auf den Weg Richtung Mittelmeer wo wir in einem weiteren Nass unsere zierlichen Füsse planschten. Leider mussten wir schnell wieder vom Salzwasser weg und noch die letzten Einkäufe machen.
Nach einem reichhaltigen Nachtessen wagten wir uns zum ersten Mal in unsere Kojen. Der Anfang war erstaunlich gut, doch dann wurde mit einem Mal der ganze Amazonas in meiner Kajüte abgeholzt. Ich als Mitglied des WWF erschrak zu triefst, wie kann es sein, dass der ganze Wald vor meinen Augen vernichtet wird? Ich zog meine Konsequenzen und bezog „Marquitos-Mittags-Schlaf-Koje“ als meine Nachtstätte.
Am Morgen wurden wir von Le Soleil und einem reichhaltigen Morgenessen mit Rösti begrüsst und schlitterten bald Richtung Béziers, wo ich von einem kleinen giftigen Froschschenkelfresser in die Schranken gewiesen wurde, weil ich ein Begehen verboten Schild übersah. Was auch immer mir seine Ausdrücke mitteilen wollten, wir überquerten seine sieben-stufige Schleusentreppe und blickten voll Argwohn und blöder Gedanken zurück in sein Gesicht.
Nach dem durchqueren von Tinu’s erstem Tunnel verliess ich die Truppe um von einem trockengelegten See einige Fotos zu nehmen.
Die Strecke bis Capestange rüttelte ich über die alten Treidelpfade und suchte uns einen schönen Platz, wo wir ein zweites Mal nächtigten.
Relativ spät am Morgen schipperten wir mit unserem Kahn los und kurvten die unendlich vielen Biegungen bei starkem Wind auf dem Canale du Midi Richtung Carcasonne. Allerdings hielt uns der Wind einige Kilometer davor auf (oder halt auch die Zeit in der die Schleusen nicht geöffnet haben). Und so bauten wir unsere Wegwerf-Grills auf versuchten einige Würste zu garen – allerdings klappte diesmal das Timing nicht so ganz und so mussten wir unsere Speise im schiffseigenen Grill garen lassen.
Nachdem das Fleisch doch noch gar wurde, bemerkten Paddy, Tinu und ich, dass unser vierter Mann sich in seine Koje zurückgezogen hat und weitere Wälder abholzte (Wieso nennt man ihn Pferd? Weil er beim ausatmen so klingt….).
In der Zwischenzeit hat sich Achi bei uns dreien auch wieder eingefunden und verpflegt sich noch an einigen „Restposten“.
So jetzt noch die obligatorischen letzen Worte mit einer Entschuldigung, dass ich diesen Bericht erst jetzt schreibe. Ich versuche jedoch morgen wieder einen Tagesbericht zusammen zu bringen…
KAGS
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